Gute Fotos für die Zeitung – Teil 2

Worauf es ankommt…

Hinrich Wulff, freier Mitarbeiter beim Usinger Anzeiger, hatte sich freundlicherweise Zeit genommen, den Mitgliedern des Fototreff UL über die Anforderungen eines guten Zeitungsfotos zu berichten. Nach dem Besuch eines Ereignisses/Veranstaltung verfasst er einen Artikel und reicht ihn mit mehreren Fotos der Zeitung ein. Der zuständige Redakteur bestimmt dann, welches Foto zum Artikel am besten passt und veröffentlicht wird. Mit einigen Foto-Beispielen aus seiner Praxis erläuterte er diesen Auswahlprozess.
Die Basis für ein „richtiges“ Zeitungsfoto ist die Dokumentation und nicht unbedingt ein künstlerischer Ansatz – schöne Fotos sind aber nicht verboten. Das Fotos soll dem Leser die Situation möglichst sofort vermitteln können. Dieses „kompakte“ Fotografieren bedingt, dass nicht zu viele Details auf dem Bild sind. Optimal ist, wenn schon das Bild dem Leser die Geschichte erzählen kann. Hier hilft der Satz des berühmten Fotografen Robert Capa: „Wenn deine Bilder nicht gut genug sind, warst du nicht nah genug dran.“

Neben den gestalterischen Grundvoraussetzungen sollte man aber auch die Kameratechnik beherrschen. Hier sind Standardwerte im Kopf und in der Kamera hilfreich, die man schnell individuell anpassen kann:

 

  • ISO bis 1600, damit das Bild bei schlechten Lichtbedingungen noch hell genug ist, aber gleichzeitig nicht zu stark rauscht
  • bewegt sich das Motiv, dann ist man bei einer Verschlusszeit von 1/80 – bei Sport 1/250 – Sekunde relativ auf der sicheren Seite
  • bei Blende 6,3-8 werden auch die Personen in der 2. Gruppenreihe aufgrund der großen Schärfentiefe noch scharf abgebildet
  • besser Tageslicht als den Blitz einsetzen. Wenn Blitz, dann möglichst indirekt, sonst gibt es „Käsegesichter“, „Schnapsnasen“ und „Monsterschatten“
  • bei Sport ist ein Teleobjektiv angeraten, ansonsten lieber ein (mäßiges) Weitwinkel einsetzen

Nicht nur die Kameratechnik will beherrscht werden, sondern auch eine gelungene Bildkomposition soll den Leser ansprechen.

  • journalistisch geht es fast immer um Menschen in einer Situation und nicht um den Saal oder die Landschaft um sie herum – deshalb viel Mensch und wenig Saal oder Landschaft auf den Fotos
  • darauf achten, dass alle Personen in die Kamera blicken – mit positiver Mimik und geöffneten Augen – deshalb lieber 10 als nur 2 Fotos machen.
  • werden einzelne Personen fotografiert, die nicht aufgrund ihrer Rolle oder der Situation (öffentliche Veranstaltung) davon ausgehen müssen, Gegenstand eines Pressefotos zu werden, sollte man sie um Erlaubnis für die Veröffentlichung fragen – Recht am eigenen Bild.

 

Werden die Fotos an die Redaktion geschickt, sind auch hier noch Aspekte zu beachten:

  • für die „lange Seite“ des Bildes reichen regelmäßig 1600 Pixel
  • damit das Foto eine ausreichende Qualität aufweist, sollten aber 95% JPG nicht unterschritten werden. Ist das Bild zu stark komprimiert, wirkt es auch im Zeitungsdruck unscharf und ggf. ab einer bestimmten Größe zu stark gerastert
  • Dateigrößen ab 700 KB (bis max. 1,5 MB) reichen vollkommen aus. Das beschleunigt auch die Bildübertragung.
  • Bildunterschriften nicht vergessen – wer ist, ggf. wo und warum abgebildet – Namen und Funktionen/Titel immer genau recherchieren und richtig schreiben

Ein durchaus anspruchsvoller Job. Denn sind gute Fotos im Kasten, ist noch keine einzige Zeile einer „flotten Schreibe“ im Textprogramm

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